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Der Ganztag lohnt sich - auch finanziell

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat berechnet, welche volkswirtschaftlichen Effekte der Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen erzielt. Die Ergebnisse sind ermutigend: Je nach Szenario ergibt sich ein überraschend hoher Kostendeckungsgrad.

Welche Auswirkungen hat der Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder auf die Erwerbstätigkeit der Eltern und insbesondere der Mütter? Welche Mehreinnahmen bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen sowie Einsparungen bei Sozialleistungen sind zu erwarten? Dieser Frage ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Auftrag des BMFSFJ in einem Gutachten nachgegangen. Die Ergebnisse stellten Bundesfamilienministerin Giffey und Prof. Katharina Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie im DIW Berlin, am Montag vor.

Kernergebnis: Die Erwerbstätigkeit und das Erwerbsvolumen von Müttern steigt, wenn es mehr Ganztagsangebote für Grundschulkinder gibt. Je nach Szenario steigt dem Gutachten zufolge die Erwerbsquote von Müttern um 2 bis 6 Prozentpunkte. Familien haben dadurch ein höheres Einkommen und sind seltener auf Sozialtransfers angewiesen. Auch die öffentlichen Haushalte profitieren von höheren Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen und müssen weniger für Sozialtransfers ausgeben. Die Mehreinnahmen liegen je nach Szenario zwischen einer und zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Mehr Erwerbsarbeit: Der Ganztag finanziert sich zu großen Teilen selbst

Der Hauptfokus des DIW-Gutachtens lag darauf, die fiskalischen Effekte des Ausbaus der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder abzuschätzen. Vergleicht man diese volkswirtschaftlichen Mehreinnahmen mit den Gesamtkosten des Ausbaus, die in früheren Studien geschätzt wurden, ergibt sich ein „Selbstfinanzierungsanteil“ von 32 bis 72 Prozent. Setzt man die jährlichen Mehreinnahmen in Relation zu den jährlichen Betriebskosten der zusätzlich nachgefragten Ganztagsplätze, so ergibt sich ein Selbstfinanzierungsanteil von etwa 40 bis 89 Prozent. Dies stellt auch Prof. Spieß heraus: „Unter dem Strich verzeichnen Staat und Sozialversicherungen deutliche Mehreinnahmen. Das sorgt dafür, dass sich der Ausbau von Ganztagsangeboten zum Teil selbst finanziert - je nach Szenario und Kostenschätzung zwischen 30 und 90 Prozent."

Giffey betont gestiegene Chancengerechtigkeit

Familienministerin Giffey sieht sich in ihrem Ansatz bestätigt, dass die Ganztagsbetreuung von Schulkindern ein Schlüssel zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist. Dies trage zu einer erhöhten Chancengerechtigkeit bei, wovon Kinder, Eltern und Arbeitgeber profitierten. Daher spricht sich Giffey klar für den Ausbau der Ganztagsbetreuung aus. Dabei hilft ihr politisch sicher auch die Erkenntnis, dass sich die Kosten durch die erhöhte Frauenerwerbsarbeitsquote weitgehend selbst tragen.


Quelle: Pressemitteilung des BMFSFJ vom 20.01.2020

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Regina-Maria Dackweiler, Alexandra Rau, Reinhild Schäfer (Hrsg.): Frauen und Armut - feministische Perspektiven. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2020. 474 Seiten. ISBN 978-3-8474-2203-7.
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